Kurze Vereinsgeschichte

Chronik von unserem Verein

1974 bis 2004

Begeisterung, mit diesem Wort kann man wohl am besten die Aufbruchsstimmung der Bogenschützen Ende 1973 beschreiben, die als kleine Gruppe ab Januar 1974 einen Verein gründeten und sich als Abteilung dem großen ASV-Neumarkt anschloss. Diese Begeisterung hat nie nachgelassen und wird noch heute, 30 Jahre später, an den Nachwuchs und die Anfänger weitergegeben.

Der Geburtsort der Bogenschützen war ein Wohnzimmer im Förstersteig 12 in der Hasenheide. Bernd Lang hatte zu einer Pressekonferenz gebeten. Er war ein erfahrener Bogenschütze und hatte schon länger in Feucht diesen faszinierenden Sport ausgeübt. Er hatte bereits sportliche Erfolge vorzuweisen. Immerhin hatte er bei den mittelfränkischen Meisterschaften den zweiten Platz belegt, auch hatte er an mehreren Turnieren teilgenommen. Doch die Trainingsfahrten nach Feucht waren zeitaufwendig und kostspielig. Der Wunsch, in Neumarkt einen eigenen Verein aufzubauen, wurde von einer weiteren Gruppe interessierter Bogensportler unterstützt, die in einer Sandgrube ihre „ersten Schritte“ wagten, sich von der Olympiade in München billig Strohscheiben erworben hatten und sich nun dem „Muckl“ Lang anschlossen. Hans Mösl, Vorsitzender des ASV Neumarkt, war durchaus bereit, die Bogenschützen als neue Abteilung aufzunehmen. Das größte Problem war die Platzfrage. Ein Platz mit 130 Meter Länge und 30 bis 40 Meter Breite sollte es schon sein. Die konstituierende Sitzung fand im Pistolenstüberl der Schützengesellschaft Neumarkt 1433 statt. Hier wurde der Grundstein des neuzugründenden Vereins gelegt. Bernd Lang wurde Abteilungsleiter. Die Frage, einen eigenständigen Verein zu gründen, sich der SG Neumarkt 1433 oder dem ASV anzuschließen, wurde zu Gunsten des ASV entschieden, da hier die Halle im Winter und die Duschräume und Umkleidekabinen zu benutzen waren. Die Beiträge wurden erschwinglich gestaltet. Neben einer Aufnahmegebühr von 50,00 DM (Für die Erstausstattung an Geräten) wurde ein Monatsbeitrag von 4,00 DM für Aktive, 2,00 DM für Junioren und 1,00 DM für Jugendliche festgelegt. Frauen und Familienmitglieder zahlten keinen Aufnahmebeitrag.

Die ersten „Gehversuche“ fanden auf dem ASV-Gelände statt. Eine Original-Olympia-Scheibe wurde ins Gras gestellt, wohin auch die meisten Pfeile flogen. Dem Ostereiersuchen gleich, wurden die buntbefiederten Pfeile unter der Grasnarbe aufgespürt. Das tat der Begeisterung keinen Abbruch. Am Faschingsdienstag 1974 wurde bei eisigen Temperaturen und einem Schneesturm geschossen -- so groß war die Euphorie. Nachdem jedes Mitglied sein eigenes Material angeschafft hatte, blieben auch die Erfolge nicht aus. Der erste sportliche Auftritt fand beim internationalen „Ispo-Turnier“ in München statt. Unter 314 Startern aus sechs Ländern belegte Bernd Lang einen beachtlichen Mittelplatz. Um die Technik zu verbessern, wurde der mehrfache deutsche Meister Gerd Rothe aus Nürnberg engagiert, um an mehreren Sonntagen die Grundbegriffe zu vermitteln. Zur ersten Gaumeisterschaft in Feucht wurden zwei Herren- und eine Damenmannschaft entsandt. Von guten Erfolgen bei den Bezirksmeisterschaften berichtete die Presse, aber auch von Ausfällen, bedingt durch Sportverletzungen.

Bald schon stellte sich dem kleinen Verein erneut die Frage nach einem eigenen Schießgelände. Boten die Trainingsplätze des ASV Neumarkt auch ideale Bedingungen, das zeitgleiche Training mit anderen ASV-Abteilungen ließ sich schon aus Sicherheitsgründen nicht miteinander vereinbaren. Nach intensiven Verhandlungen mit der Stadt Neumarkt erhielten die Bogenschützen ein Gastrecht in der Habersmühle. Neben ausreichendem Wiesengelände standen der Abteilung auch die Baulichkeiten der ehemaligen Geflügelfarm zur Verfügung. Ein Schmuckkästchen wollten sie aus ihrer Habersmühle machen. Wahr geworden ist dieser Traum so richtig im Jahre 1998, als das neue Vereinsheim eingeweiht werden konnte (s. besonderer Bericht) und ein Jahr später, als der neue Unterstand gebaut wurde. Mit über 100 Arbeitsstunden wurde die Habersmühle zum herrlichen Sportheim umgebaut. Stolz waren sie und die Euphorie groß. Sportlich wurde in Feucht das erste Fitaturnier geschossen. In Regensburg stellten Walter Lauer mit 860 Ringen und Hannelore Teichert mit 825 Ringen einen Vereinsrekord auf.

Ein geselliges Völkchen sind die Bogenschützen und so gab es schon bald Grillfeiern und ein Sommernachtsfest, an dem OB Kurt Romstöck und Bgm. Franz Plank teilnahmen. Die erste Vereinsmeisterschaft brachte zahlreiche persönliche Bestleistungen und Vereinsrekorde, überragender Schütze war Walter Lauer. Bei der Sportwoche des ASV Neumarkt warben die Bogenschützen mit einem eigenen Stand um Mitglieder. 

Im Neumarkt wurde das Hallenschießen erfunden 

Am 6. Januar 1975 veranstaltete der Verein sein erstes Turnier, eine Chicago-Runde. 96 Pfeile auf 18 Meter: das Hallenschießen war erfunden. Seit dieser Zeit hat sich der Verein einen großen Namen als Veranstalter großartiger Turniere erworben - und das gilt noch heute. Das Hallenturnier im Januar 1976 war das erste Hallenturnier überhaupt, das zum Weltrekord zugelassen wurde. Der Bogenreferent des Bayerischen Sportschützenbundes (BSSB) , Konrad Aichemüller, lud den Landeskader nach Neumarkt ein, und so wurden die ersten zwei bayerischen Meisterschaften in Neumarkt ausgetragen. Mag es jetzt auch bundesweit viele und aufgrund größerer Hallen auch größere Hallenturniere geben, das Neumarkter Turnier hat bei den Teilnehmern nie seinen Reiz verloren. Im Jubiläumsjahr trat am Sonntag nach Dreikönig mit 180 Startern eine Rekordteilnehmerzahl an die Schützenlinie. Besonders bemerkenswert ist der große Anteil an Schülern und Jugendlichen. In den Folgejahren wurden zahlreiche nationale Rekorde in Neumarkt erzielt, vor allem Damen- und Mannschafts-Rekorde, die teils heute noch Bestand haben. Große Stars und klangvolle Namen traten in Neumarkt an, so Erika Wölfle aus Eggenfelden, mehrfache deutsche Meisterin und Weltmeisterschaftsfünfte. Armin Garnreiter, Olympiazehnter von Los Angeles, Dieter Buegger aus Amberg, Erhard Wagner aus Schwarzenfeld - alles deutsche Meister - hoben dieses Turnier auf ein hohes Niveau. Mit 73 Jahren ist Fritz Dimke aus Schnaittach alljährlich der älteste Teilnehmer. Er hat noch kein Turnier versäum!

Es gibt auch lustige Ereignisse. Walter Lihl aus Ursensollen startete zusammen mit seinem Sohn. Da sie jedoch nur einen Bogen hatten, mussten sie abwechselnd auf eine Scheibe mit einem Bogen schießen. Das wäre heute kaum noch denkbar. 

Sportlich ging es weiter aufwärts, Karl Holland übertraf als Erster die 1000er-Ringgrenze,später auch die 1100er Marke. Bei den ersten Stadtmeisterschaften waren die Bogenschützen nicht allein, als Gastschütze beteiligte sich Michael Zollbrecht, Ehrenschützenmeister der SG Neumarkt 1433. Gut besucht war der „Tag der offenen Tür“ im Herbst 1975. Mit Wolf Dieter Pröbster und Rolf Selzer erwarben zwei Neumarkter Bogenschützen den Übungsleiterschein. Bei den Damen entwickelte sich Dagmar Teichert als Spitzenschützin. Sie wurde in den Bayernkader berufen und war auf Gau- und Bezirksmeisterschaften erfolgreich. Sie wurde aufgrund ihrer Leistungen auch zum Länderkampf gegen Polen nominiert. Neben dem Hallenschießen und der „Fita-Runde“ zeigten sich die Neumarkter Bogenschützen dem Feldschießen zugetan. Die ersten Erfahrungen sammelten sie bei der HSG Nürnberg. Die Erfolge blieben nicht aus. Susi Selzer gewann die Damenwertung beim „Nürnberger Trichter“ 1976. Zu Gast bei der HSG waren die Neumarkter Bogencracks beim Sie- und Er-Turnier, ein Wettbewerb für Ehepaare. Hier ging des Öfteren ein Sack Zitronen nach Neumarkt für den Letzten des Turniers.

Erster Fita-Sternträger des Vereins (1000er) war Karl Holland, gefolgt von Wolf Dieter Pröbster. Den blauen Stern für 1200 Ringe tragen Andrea Lerzer, David Jendro und Jürgen Seibold. Den roten Stern für 1251 Ringe erzielte Andrea Lerzer und als einziger „goldener“ Sternträger präsentiert sich Oliver Plank, der mit 1353 Ringen mit dem Compoundbogen erfolgreich war.

Das begehrte Leistungsabzeichen des Weltverbandes wird für "runde" Zahlen vergeben: 950, 1050, 1150, 1250 und 1350 Ringe. Die nationalen Sterne des Deutsche Schützenbundes werden für ungerade Zahlen 950,1050,1150,1250 und 1350 Ringe verliehen.

Den ersten bayerischen Meistertitel holte Thomas Wegrich für den jungen Verein . Auf dem schwierigen Feldkurs in Kaufbeuren wurde der Jugendliche mit nur einem Ring Vorsprung bayerischer Meister. Josef Hiereth vervollständigte den Erfolg mit einem dritten Platz.

Beim Jubiläumsturnier des Schützengaues (50 Jahre ANB) waren Karl und Uli Holland erfolgreich. Nicht nur im Bogenschießen, auch beim 3-Waffenturnier waren Neumarkter Bogenschützen erfolgreich. Bei der HSG Nürnberg belegte Horst Lorenz den beachtlichen vierten Rang, Dr. Peter Teichert startete in der Altersklasse und auch Johann Stadelmann war mit dabei. Die sportliche Leistung der Neumarkter Bogenschützen stabilisierte sich derart, dass sie sich immer für die bayerischen Meisterschaften qualifizierten. Ob in München-Hochbrück oder in Nürnberg bei den Feldmeisterschaften, immer waren Neumarkter Schützen am Start. Hannelore Teichert war wohl die erste Schützin, die sich für eine „Deutsche“ qualifizieren konnte. In ihrer Heimatstadt Berlin war sie mit am Start. Ohne Siegchance wohl - aber immerhin dabei.

Die Bogenschützen Neumarkt waren fünf Jahre nach Gründung des Vereins eine Größe im Schützengau, aber auch im Bezirk Mittelfranken. Nach dem BS Feucht war Neumarkt bei allen Meisterschaften erfolgreichster Verein. Zu finden waren Neumarkter Teilnehmer bei fast allen Turnieren und Meisterschaften. Stadtmeisterschaften wurden regelmäßig ausgetragen, ein „Parsberger Turnier“ fand in Neumarkt statt. Die Habersmühle als Vereinsheim wurde ständig ausgebaut. 1980 wurde der erste Unterstand an der Schützenlinie errichtet. Der Schießplatz wurde mit 120 Lastwagenfuhren aufgefüllt und eingeebnet.

Was heute mit Ski-Arc olympisch werden will, das erfanden die Neumarkter Bogenschützen schon 1981. Ein „Bogathlohn“ (Langlauf und Bogenschießen) faszinierte die Teilnehmer aus Moosbach. Leider konnte dieser Wettkampf wegen Schneemangel nie wiederholt werden.

In den folgenden Jahren steigerten sich die sportlichen Leistungen der Abteilung ständig. Viele Erfolge bei Turnieren und Meisterschaften machten die Bogenschützen Neumarkt zu einer festen Größe im Schützengau Altdorf-Neumarkt-Beilngries, im Bezirk Mittelfranken und im Bayerischen Sportschützenbund. Zahlreiche Fita Sterne und Meisterabzeichen waren der Lohn für sportliche Leistungen.

Einen ganz großen Einschnitt bedeutete der Beschluss einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Januar 1983. Die Bogenschützen beschlossen, ihre Mitgliedschaft beim großen ASV Neumarkt zu kündigen und einen eigenen Verein zu gründen. Der einzige Grund hierfür waren finanzielle Überlegungen. Der Zuschuss an die Abteilung reichte nicht aus, die Stromkosten in der Habersmühle zu begleichen und gleichzeitig den Sportbetrieb zu finanzieren. Trotz freundschaftlicher Beziehungen zum Hauptverein wurde die Abteilung zum 15.Juli 1983 mit 0,08 DM und keinerlei Gerätschaft aufgelöst. Der Verein „Bogenschützen Neumarkt e.V.“ wurde gegründet. Die alte Abteilungsleitung wurde gleichzeitig neue Vorstandschaft mit Horst Lorenz als 1. Vorsitzenden, Werner Knott als „Vize“ und Wolfgang Müller als Sportleiter, sowie Karl Holland als Kassier. Der junge Verein kletterte sehr schnell auf 45 Mitglieder und entwickelte sich prächtig. Der Jagd- und Feldkurs wurde mit Freunden aus Moosbach eingeweiht.

Das Jagdschießen hält Einzug in Neumarkt

1985 traten die Neumarkter Bogencracks erneut als Pioniere des Bogensports auf. Nach einem Besuch beim Jagdturnier in Teublitz schnupperten die Neumarkter Feldschützen Jagdgeruch und richteten am 21./22. September 1985 „Rund um den Wolfstein“ ihr erstes Jagdturnier aus. Es war eines der wenigen Jagdturniere in Deutschland und schlug deshalb bald die gesamte Nation in seinen Bann. Bis aus Berlin und Hamburg kamen die Langbogner, aus der Schweiz und Österreich strömten die Teilnehmer, um in der herrlichen Landschaft vor der Burgruine Wolfstein hinab in das Ottosau auf herrlich gestaltete Tierbilder zu jagen. Ein Burgfräulein schenkte auf dem Bergfried „Ritteröl“ aus, ehe in Rotten von vier bis fünf Jägern (-innen) auf Lux, Bär und Hirsch geschossen wurde. Ein aufgescheuchter Hase hatte dabei nichts zu befürchten, denn die Jagdabsichten der Teilnehmer waren eher friedlich. Mit einem Sonderschuss auf das „Burggespenst“ wurde ein Sonderpreis vergeben. Das Schießgelände auf der Habersmühle verwandelte sich - und das ist bis heute so geblieben - in eine Zeltstadt mit echten Indianertippis. Auch in dieser Art des Bogenschießens waren die Neumarkter Vorreiter und jahrelang gehörte das zweite Wochenende im September zum festen Bestandteil des Terminkalenders der Jagdschützen. Inzwischen gibt es zahlreiche solche Turniere und deshalb scheuen die Nordlichter die weite Anfahrt. Dennoch zählt die Ottosau nach wie vor zu den reizvollsten Zielen der Jagdschützen. Im Jubiläumsjahr feiert der Verein mit dem 20. Jagdturnier „Rund um den Wolfstein“ ein zusätzliches Jubiläum.

Golf, nicht mit einem Ball, sondern mit Pfeil und Bogen

Die Bogenschützen sind nie müde, immer neue Varianten des Bogenschießens zu erfinden. Zu Beginn der Freiluftsaison 1986 fand in der Habersmühle ein Golfturnier statt. Abschuss war an der Schützenlinie, das Ziel war ein Tennisball, am fernen Waldrand auf eine Drahthalterung aufgestellt. Niemand konnte glauben, dass man die Pfeile, wahllos in den Himmel in die ungefähre Richtung abgeschossen, jemals wiederfinden könnte. Doch siehe da, kein Pfeil ging verloren, alle steckten mit ihren bunten Federn wie Krokusse im Feld. Von der Einschlagstelle musste sich weiter an den Tennisball angenähert werden. Da konnte es sein, dass zwei voll geschossene Pfeile schon recht nah am Ziel steckten und ein dritter Pfeil zu weit ging. Da half ein Flu-Flu-Pfeil mit starker Befiederung und siehe da, Thomas Wegrich traf den Ball bereits mit seinem dritten Pfeil.

Oktober 2006 / Horst Lorenz